So lesen wir in dem Gründungsprotokoll vom 22. November 1871 die Namen der 1. Vorstandschaft: Valentin Goetz, Friedrich Wambsgans, Kassier Johann Heinrich Rheinfrank, Schriftführer Philipp Goetz und Bibliothekar J. Michel. als 1. Dirigent ist Lehrer Ferner genannt. Schon am 20. Dezember 1871 schloss sich der Männergesangverein als passives Mitglied dem Pfälzischen Sängerbund an. Der damals existierende Gesangverein „Liederkranz“ gestattete dem Männergesangverein, das Klavier mitzubenutzen. Er musste sich aber an den Kosten für das Klavierstimmen beteiligen. Weil zu wenig Geld in der Kasse war, musste man mit der Veranstaltung eines Konzertes noch warten und veranstaltete deshalb im Laufe des Winters mehrere Abendunterhaltungen.
1873 kam der Wunsch nach einer Fahne auf. Die gestickten Fahnen in Mainz gefielen nicht. Deshalb ließ man sich von Herrn Niederhöfer, einem Edenkobener Maler, der damals in München weilte, eine Fahne entwerfen und sie auch anfertigen. Am 25. März 1873 wurde diese Fahne feierlich im „Goldenen Schaf“ mit Militärmusik eingeweiht. Diese Fahne befindet sich in einem sehr desolaten Zustand im Heimatmuseum in Edenkoben.
1887 hatte der Verein 31 aktive und 80 passive und ein Ehrenmitglied zu verzeichnen.
1897 feierte der Männergesangverein laut Pressebericht sein 25 jähriges Bestehen. 1903 übergab der Gesangverein „Liederkranz“ der sich in Auflösung befand, einen Teil seines Notenmaterial dem Männergesangverein. Der damalige Männergesangverein hatte ein reges Vereinsleben mit öffentlichen, in der Presse gelobten Auftritten. Interessant ist, dass nicht jeder; der eintreten wollte, auch aufgenommen wurde. Er musste sich vor dem Chor einer Prüfung unterziehen. Dann wurde über seine aktive oder passive Mitgliedschaft entschieden. Dieses stetige Anwachsen des Vereins wurde durch den 1. Weltkrieg jäh unterbrochen.
Erst 1920 nahmen der Männergesangverein und der Winzergesangverein ihre Tätigkeit wieder auf. 1928 schlossen sich der Männergesangverein und der Gesangverein des Arbeiterbildungsvereins unter dem Namen „Sängervereinigung Edenkoben „ zusammen.
Beide Vereine traten aber bis 1933 auch getrennt an die Öffentlichkeit. 1933 wurden beide Vereine durch die NSDAP gezwungen, sich unter dem Namen „Deutscher Männerchor“ zu vereinigen.
Interessant ist die Freundschaft des damaligen deutschen Männergesangvereins Edenkoben mit dem Männergesangverein „Bavaria“ in Bexbach. Nach den Unterlagen aus Bexbach wurden die ersten Kontakte schon Ende 34 geknüpft und zwar mit einem Besuch des MGV Bavaria beim Deutschen Männerchor Edenkoben. Nach einem Dokument des Gesangvereins „Bavaria“ wurde diese Freundschaft 1936 öffentlich besiegelt.
Aber jeder Chorischen Arbeit machte der 2. Weltkrieg wieder ein Ende.
1945 wurden unter der französischen Besatzungsmacht alle Vereine aufgelöst. Es durften aber später wieder neue Vereine ins Leben gerufen werden. So stellten einige ehemalige Sänger bei der Militärverwaltung 1946 den Antrag, den Männergesangverein unter dem Namen „Volkschor“ wieder entstehen zu lassen. Das Protokoll vom 23. März 1947 berichtet, dass zur Gründung 42 Personen anwesend waren, und die neue Vorstandschaft sich folgendermaßen zusammensetzte: Otto Seebach, Rudolf Meier, Schriftführer Wilhelm Böckler, Kassenwart Hans Woisard. Als Dirigent wurde Georg Litzel, der in den zwanziger Jahren den Chor des Arbeiterbildungsvereins leitete, beauftragt. 1948 trat der Volkschor das 1. Mal öffentlich mit einer „Musikalischen und literarischen Feierstunde“ auf. Durch seine öffentlichen Auftritte wurde der Volkschor sehr bald zu einem für alle möglichen öffentlichen Veranstaltungen gefragten Chor, der mit seinen Darbietungen begeisterte.
1954 wurde unter der Obhut des Volkschors eine Trachtengruppe unter der Leitung von Eugen Laible, die einige Jahre bestand, und ein Frauenchor unter der Leitung von Anneliese Gräber, der allmählich mit dem Volkschor zum heute bestehenden gemischten Chor zusammenwuchs, gegründet. Eduard Hauck, damaliger Chorleiter, erklärte sich bereit, beide Gruppen musikalisch unentgeltlich zu betreuen. Das 100jährige Jubiläum, zu dessen Ereignis dem Chor die Zelter-Plakette am 12. Mai 1972 verliehen wurde, feierte man mit einem Sommernachtsfest.